CUMBIAH

Übersicht

Projekttitel

Union für das Schutzmanagement der Schweinswalpopulationen in der Ostsee und ihrer Lebensräume (CUMBIAH)

Förderer

Laufzeit

15. Januar 2026 – 31. Dezember 2030

Projektpartner

17

Beteiligte Länder

8

Projektleitung

Tim Taugnitzund Anja Gallus

Projektmanagement

Samantha Look



Projektpartner


Projektbeschreibung

Schweinswale in der Ostsee

Der Schweinswal (Phocoena phocoena) ist die einzige in der Ostsee heimische Walart und wird dort in zwei Populationen unterteilt: die Population der zentralen Ostsee (Baltic Proper) sowie die Population der Beltsee. Die Beltsee-Population gilt als gefährdet (HELCOM) und weist eine rückläufige Bestandsentwicklung auf. Die Population der zentralen Ostsee umfasst nur noch wenige hundert Tiere und ist akut vom Aussterben bedroht (IUCN). 

Vielfältige Gefährdungen

Beide Populationen sind zahlreichen vom Menschen verursachten Belastungen ausgesetzt. Zu den bedeutendsten Gefährdungsfaktoren zählen Beifang in der Fischerei, Unterwasserlärm, Schadstoffe sowie die Veränderung und der Verlust geeigneter Lebensräume.

Wissenslücken erschweren den Schutz

Für einen wirksamen und langfristigen Schutz werden belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse über Populationsgröße, Verbreitung, Lebensraumnutzung und die Auswirkungen dieser Belastungen benötigt. Trotz langjähriger Monitoringprogramme bestehen jedoch weiterhin wesentliche Wissenslücken zum Zustand und zur Entwicklung beider Populationen.

CUMBIAH: Daten für den Schweinswalschutz

Das internationale Forschungsprojekt CUMBIAH (Union für das Schutzmanagement der Schweinswalpopulationen in der Ostsee und ihrer Lebensräume) führt bestehende Monitoringdaten zusammen und wertet sie mithilfe neuer analytischer Methoden aus. Ziel ist es, den Zustand der Schweinswalpopulationen in der Ostsee besser zu verstehen und eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Schutz- und Managemententscheidungen zu schaffen. 


Vorgehen und Methodik

Das passive akustische Monitoring bildet die Grundlage für die Erfassung von Schweinswalen in der Ostsee. Messgeräte zeichnen die hochfrequenten Echoortungslaute der Tiere kontinuierlich auf und ermöglichen so eine standardisierte Erfassung ihres Vorkommens über große räumliche und zeitliche Skalen. 

Im Projekt werden die Daten des Vorläuferprojektes SAMBAHII ausgewertet, welche über einen Großteil der Ostsee hinweg erhoben wurden. Auf dieser Grundlage werden aktuelle Schätzungen der Populationsgröße sowie räumlich und zeitlich hochaufgelöste Verbreitungskarten erstellt.  

Ergänzend werden neue Verfahren zur akustischen Identifizierung von Kälbern erprobt. Sie sollen dazu beitragen, wichtige Fortpflanzungsgebiete und Reproduktionszeiträume zu identifizieren.

Life-History (Biologische Untersuchungen)

Untersuchungen tot aufgefundener Schweinswale liefern wichtige Informationen zur Lebensgeschichte und zum Gesundheitszustand der Populationen. Im Rahmen standardisierter Sektionen werden Alter, Geschlecht, Ernährungszustand, Fortpflanzungsstatus, Erkrankungen und Todesursachen ermittelt.  

Genetische Analysen ermöglichen darüber hinaus, die Tiere den verschiedenen Populationen zuzuordnen und deren genetische Vielfalt zu untersuchen. Die zusammengeführten Ergebnisse fließen in die Berechnung populationsbiologischer Parameter ein. Diese sind unter anderem erforderlich, um abzuschätzen, welche zusätzlichen, vom Menschen verursachten Verluste eine Population verkraften kann, ohne dass ihr langfristiger Bestand gefährdet wird. 

Fischereidaten

Der Beifang in der Stellnetzfischerei zählt zu den größten Gefährdungsfaktoren für Schweinswale in der Ostsee. Im Projekt werden Daten zur räumlichen und zeitlichen Verteilung verschiedener Fischereiaktivitäten mit Informationen über die Verbreitung der Schweinswale verknüpft. 

Auf diese Weise können Gebiete und Zeiträume mit einem erhöhten Beifangrisiko identifiziert werden. Die Ergebnisse schaffen eine wichtige Grundlage für die Bewertung und Entwicklung gezielter Schutzmaßnahmen.

Umwelt- und Lebensraumdaten

Die Verbreitung der Schweinswale wird von zahlreichen Umwelt- und Lebensraumfaktoren beeinflusst. Deshalb untersucht CUMBIAH unter anderem die Verfügbarkeit potenzieller Beutefische, die Belastung durch Unterwasserlärm sowie weitere ozeanografische und ökologische Bedingungen. 

Mithilfe von Umwelt-DNA (eDNA) und akustischem Fischmonitoring wird die räumliche Verteilung potenzieller Beutefischarten untersucht. Ergänzend werden Karten zur Belastung durch anthropogenen Unterwasserlärm erstellt. Durch die Verknüpfung dieser Informationen mit den Ergebnissen des akustischen Schweinswalmonitorings können besonders geeignete Lebensräume identifiziert und die Auswirkungen verschiedener Belastungsfaktoren auf die Habitatqualität bewertet werden.


Projektziele

CUMBIAH schafft die wissenschaftlichen Grundlagen für den Schutz der Schweinswale in der Ostsee. Dafür werden akustische Monitoringdaten, Totfund- und Fischereidaten, genetische Untersuchungen sowie Informationen zu Umweltbedingungen und menschlichen Aktivitäten zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet.

Im Mittelpunkt stehen: 

  • die Aktualisierung von Populationsgröße, Verbreitung und Bestandsentwicklung der Schweinswale in der zentralen Ostsee 
  • die Analyse von Veränderungen der Verbreitung und Populationsgröße seit dem Projekt "SAMBAH"
  • die Untersuchung von Lebensraumfaktoren, z.B. Beuteverfügbarkeit 
  • die Analyse anthropogener Einflüsse, insbesondere Fischereiaktivität und Unterwasserlärm 
  • die Auswertung von Totfunddaten zur Bestimmung von Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und Todesursachen 
  • die Untersuchung der genetischen Diversität und Populationszugehörigkeit
  • die Ableitung populationsspezifischer Abundanzschwellen 
  • die Weiterentwicklung und Harmonisierung zukünftiger Monitoringmethoden
  • die Bewertung und Priorisierung zentraler Schutzmaßnahmen für den Schweinswal in der Ostsee

Ziel ist es, eine verbesserte wissenschaftliche Grundlage bereitzustellen, um den Zustand der Schweinswalpopulationen in der Ostsee zu bewerten und zentrale Voraussetzungen für ihren Schutz abzuleiten.