Buckelwale – Gäste in der Ostsee
Ab dem 16. Jahrhundert belegen historische Quellen Aufenthalte von Buckelwalen in der Ostsee. Historische Quellen und die seit den 1970er Jahren erhobenen Monitoringdaten des Deutschen Meeresmuseums zeigen, dass sie bis heute seltene, aber regelmäßige Gäste in diesem flachen Brackwassermeer sind.
Über den Nordatlantik und entlang der norwegischen Küste gelangen die Tiere im Rahmen ihrer natürlichen Wanderungen in die Ostsee. Ihre Sichtungen stehen dabei in engem Zusammenhang mit den Bestandszahlen der nordatlantischen Population.
Buckelwalen auf der Spur: Sichtungen in der Ostsee seit dem 16. Jahrhundert
Die Zusammenführung aller bekannten Daten – von historischen Totfunden über aktuelle Sichtungen bis hin zu den dokumentierten Wegen einzelner Tiere – zeigt: Die Ostsee ist Teil des natürlichen Bewegungsraums von Buckelwalen.
Die Vielzahl der Nachweise macht sichtbar, dass Buckelwale die Ostsee regelmäßig nutzen und sich dort orientieren können. Detaillierte Einblicke in ihre Wanderbewegungen liegen bislang jedoch nur für wenige Individuen vor. Diese Daten weisen auf zwei typische Routen hin: eine kürzere Strecke rund um Bornholm sowie eine längere Route durch die gesamte Ostsee bis in den Bottnischen Meerbusen.
Im Frühjahr 2026 wurde ein junger Buckelwal in der südwestlichsten Ostsee beobachtet. Das Tier, später als „Timmy“ bekannt, hielt sich über mehrere Wochen in der Mecklenburger Bucht auf und strandete wiederholt. Ende April wurde der Wal lebend geborgen und aus der Ostsee abtransportiert.
Die Beobachtungen zeigen, dass auch jüngere Buckelwale eigenständig in die Ostsee einwandern und sich dort zeitweise aufhalten können. Wie bei anderen Einzeltieren steht auch diese Route im Zusammenhang mit der natürlichen Wander- und Erkundungsdynamik der Art.
Der Fall fügt sich in das Gesamtbild ein: Die Ostsee ist Teil des erweiterten Bewegungsraums von Buckelwalen.
Die Route des Buckelwals „Lotta“ zeigt eindrücklich, wie weit einzelne Tiere in der Ostsee unterwegs sein können – vom Öresund bis in den Bottnischen Meerbusen und zurück.
Auffällig ist, dass sich das Tier während seines Aufenthalts dreimal in Fischernetzen verhedderte. Trotz mehrfacher Befreiung endete die Reise schließlich mit dem Tod des Tieres vor der deutschen Ostseeküste.
Der Fall „Lotta“ macht deutlich, dass nicht Orientierung, Nahrung oder Lebensraum das größte Problem darstellen, sondern die intensive menschliche Nutzung der Meere. Fischerei, Schifffahrt und andere Eingriffe prägen heute maßgeblich das Risiko für wandernde Großwale – in der Ostsee ebenso wie weltweit.
Im Sommer 2008 begann der später unter dem Namen „Bucki“ bekannte Buckelwal seine Reise durch die Ostsee. Erstmals wurde er am 23. Juli in der Nähe der Insel Ven im nördlichen Öresund beobachtet. Seine Rundreise durch die Ostsee wurde von dänischen, deutschen, polnischen und schwedischen Beobachtern hervorragend dokumentiert.
Die Route zeigt eindrucksvoll, wie sicher sich Buckelwale auch in den flachen und komplexen Gewässern der Ostsee orientieren können. „Bucki“ durchquerte weite Teile der südwestlichen Ostsee und fand schließlich selbstständig über Kattegat und Skagerrak zurück in den Nordatlantik.
Solche großräumigen Erkundungsbewegungen gehören zum natürlichen Verhalten der Art.
Im Jahr 1978 hielt sich ein etwa zehn Meter langer Buckelwal über mehrere Monate in der Ostsee auf. Eine markante, keilförmige Verletzung am Schwanzstiel ermöglichte es, das Tier eindeutig wiederzuerkennen.
Ab Juni 1978 wurde der Wal zunächst an den Küsten Schwedens und Finnlands beobachtet, wo er den Namen „Valborg“ erhielt. Zwischen dem 13. August und dem 8. November wurde derselbe Wal – nun als „Ossi“ bezeichnet – vor der Ostküste von Rügen an insgesamt 19 Tagen wiederholt gesichtet und fotografiert. Auffällig war seine Küstennähe: Das Tier hielt sich häufig in sehr flachem Wasser von nur vier bis fünf Metern Tiefe auf.
Im Februar 1979 wurde der Wal schließlich unter dem Namen „Romek“ vor der polnischen Küste erneut identifiziert. Nach einer Befreiung aus einem Fischernetz nahe Danzig am 7. Februar 1979 wurde das Tier nicht wieder gesehen.
Totfunde im Wandel der Zeit
Totfunde von Buckelwalen sind in der Ostsee seit Jahrhunderten dokumentiert. Die historischen Nachweise aus der Zeit von 1578 bis 1851 stammen überwiegend aus Kirchenbüchern, Chroniken und frühen Zeitungsberichten. Wale hatten schon damals Sensationscharakter – entsprechend sorgfältig wurden solche Ereignisse festgehalten. Bereits 1908 wertete der Zoologe Japha diese Quellen systematisch für die Ostsee aus.
Auffällig ist die lange Lücke von rund 150 Jahren ohne belegte Totfunde. In dieser Zeit wurden Buckelwale im Nordatlantik und weltweit intensiv bejagt, ihre Bestände brachen drastisch ein.
Erst seit 2003 treten wieder einzelne Totfunde in der Ostsee auf. Sie stehen im Zusammenhang mit der Erholung der Populationen infolge internationaler Schutzmaßnahmen und Walfangabkommen. Die heutigen Strandungen sind damit kein neues Phänomen, sondern Ausdruck einer globalen Entwicklung: Die Ostsee wird zum Spiegel der Bestandsveränderungen im Nordatlantik.
Quellen
Harder, K. et al. (2011): Bartenwale in der Ostsee: Eine Übersicht. Meer und Museum Bd. 23: 163-184.
Schultz, W. (1970): Über das Vorkommen von Walen in der Nord- und Ostsee. Zoologischer Anzeiger 185:172-264.
Schulze, G. (1991): Wale an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern. Meer und Museum Bd. 7: 22-52.
Pressebeiträge
Heile, B. (2025): Meeresgigant findet trauriges Ende in Ostsee-Hafen. Nordkurier vom 01.08.2025 (https://www.nordkurier.de/regional/usedom/meeresgigant-findet-trauriges-ende-in-ostsee-hafen-3795354)