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Deutsches Meeresmuseum leitet internationales Forschungsprojekt zum Schutz von Schweinswalen

Um wirkungsvolle Schutzmaßnahmen für die stark gefährdeten Schweinswale der Ostsee entwickeln zu können, haben sich 14 Partner aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Estland, Finnland und Litauen zusammengeschlossen. Fünf Jahre lang werden sie unter der Leitung des Deutschen Meeresmuseums wissenschaftliche Daten zur Populationsstruktur, Bedrohung und Lebensraumqualität der Schweinswale auswerten. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) koordiniert das Projekt.

(Stralsund, 12.02.2026) Der Schweinswal ist die einzige heimische Walart in der Ostsee mit zwei getrennten Populationen. Die Population der zentralen Ostsee umfasst nur noch wenige hundert Individuen und ist akut vom Aussterben bedroht. Auch die Population der Beltsee ist rückläufig und deshalb von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als gefährdet gelistet. „Beide Populationen sind von Menschen verursachten Bedrohungen ausgesetzt. Bisher wurden jedoch nur begrenzte Schutzmaßnahmen ergriffen“, gibt Dr. Judith Denkinger, Projektleiterin vom Deutschen Meeresmuseum, zu bedenken. „Deshalb möchten wir die Grundlagen für ein wirksames Artenschutzmanagement schaffen.“

Im Forschungsprojekt CUMBIAH wird vielfältigen Forschungsfragen nachgegangen, um notwendige, effiziente Schutzmaßnahmen zu entwickeln, die von den Partnerländern auf den Weg gebracht werden sollen: Insbesondere die Auswertung neuester Erhebungen und Berechnungen der Vorkommensdichte und Verbreitung werden Aussagen über aktuelle Populationszahlen und -trends ermöglichen. Eine neu entwickelte Methode zur akustischen Identifizierung von Schweinswalkälbern soll helfen, die Kalbungszeiten und Aufzuchtgebiete zu ermitteln. Umwelt-DNA-Proben (eDNA) werden ausgewertet, um die Qualität der Lebensräume und das Vorkommen von Beutefischarten zu beurteilen. Totfundmonitoring, das in Deutschland und den Partnerländern durchgeführt wird, und die Obduktionen der toten Tiere liefern wichtige Erkenntnisse zum allgemeinen Zustand der Schweinswale, wie Alter, Ernährungszustand, Geschlecht, Fortpflanzungsstatus, Krankheiten und Todesursachen. Des Weiteren werden die Individuen genetisch ihrer Ursprungspopulation zugeordnet und auf genetische Vielfalt hin untersucht. Die genetischen Daten ermöglichen es, die Populationsgrößen und -trends abzuschätzen. Informationen über Fischereiaktivität und -intensität geben Aufschluss über das Beifang-Risiko. Messungen von Unterwasserlärm durch Bauvorhaben oder seismische Untersuchungen werden in die Analyse aufgenommen, um im Vergleich zur Schweinswaldichte und -verbreitung besonders schützenswerte Gebiete zu identifizieren.

CUMBIAH steht für Conservation Union for Management of the Baltic Harbour Porpoise Populations and Their Habitat (Union für das Schutzmanagement der Schweinswalpopulationen in der Ostsee und ihrer Lebensräume).

Zu den Kooperationspartnern gehören die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover – Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, die Universität Potsdam, die Universität Aarhus (Dänemark), die Universität Lund und das Naturhistoriska Riksmuseet (Schweden), das National Marine Fisheries Research Institute (Polen), die Technische Universität Tallinn (Estland), die Hochschule für angewandte Wissenschaften Turku (Finnland) und die Universität Klaipėda (Litauen).

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aus Mitteln der Meeresnaturschutzkomponente nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz.

 

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