NACHGEDACHT, MITGEMACHT UND NACHGEFRAGT …

Das Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt! stellt erstmals das Fragen selbst in den Mittelpunkt. Ziel ist eine stärkere Bürger*innen-Beteiligung an der Gestaltung der Zukunft. Selbst ein einfacher Gedanke kann eine Ideenkette in Gang bringen und so zur Lösung eines Problems führen.

 

Workshops am Deutschen Meeresmuseum

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2022 fanden vier ALGEN–WORKSHOPS im Kursraum des OZEANEUMs vom Sommer bis zum Herbst statt. Rund 150 Gäste beschäftigten sich mit Großalgen der Ostsee, mikroskopierten und arbeiteten an ihrem Herbarium. Etliche dokumentierten die Aktionen für ihr persönliches Ferientagebuch mit dem Handy. Die Meeresbegeisterten fanden heraus, welche wichtige Rolle Algen in der Natur spielen. Andere waren überrascht, wie oft sie selbst schon Algeninhaltsstoffe verspeist hatten! Die aktive Beschäftigung mit der Thematik regte zu unterschiedlichsten Fragen an.

Eine Veranstaltung war speziell den jungen Museumsgästen von 10 bis 14 Jahren vorbehalten. Jugendliche des Museumsjugendclubs Young MeMus erkundeten Horntang, Blasentang & Co. einen ganzen Vormittag. 

Das UPCYCLING–FUTURE–LAB lud Interessierte an vier Terminen im Juli und August zum Knobeln und Gestalten ein. Rund 200 Personen beteiligten sich an den Veranstaltungen für Groß und Klein. Alte Verpackungen landeten nicht wie üblich im gelben Sack, sondern im Kreativbereich des Museums. Der Plastikmüll erfuhr beim Upcycling sowohl eine materielle als auch eine ideelle Aufwertung. Wie wird die Welt von morgen aussehen? Nach eigenen Skizzen entstanden visionäre Schiffe, Forschungsstationen, Flugobjekte oder Technologiezentren. Phantasie, künstlerische Kreativität und technisches Verständnis waren dabei gleichermaßen gefragt.

Während der Workshops konnten die Teilnehmenden Fragen notieren. Einige der gestellten Fragen wurden von Wissenschaftler*innen beantwortet und werden zum Abschluss des Jahres nach und nach hier veröffentlicht. 

Antwort von Helen Rößler, Doktorandin im Projekt „Hearing in Penguins“

Das Pinguine nicht fliegen, hat mit der Evolution, also der Entwicklung, ihres Körperbaus für ihre Anpassung an ein Leben unter Wasser zu tun.

Pinguine sind Vögel, also haben sie Federn. Jedoch haben ihre Flügel keine langen Flugfedern und sind im Verhältnis zur Körpergröße zu kurz, um in Luft für genügend Auftrieb zu sorgen. Zudem sind die Knochen von Pinguinen dichter und daher schwerer im Vergleich zu Vögeln, die fliegen können. Humboldt-Pinguine, wie sie auch auf der Dachterasse des OZEANEUMs leben, wiegen zwischen 3,8 und 4,5 kg. Im Vergleich dazu wiegen Silbermöwen mit einer ähnlichen Körpergröße nur 1 bis 1,5 kg.

Pinguine sind gute Schwimmer. Die kurzen Federn an den Flügeln und die Form bilden einen aquadynamischen Vorteil und das Gewicht/die Knochendichte erleichtert den Tauchvorgang, da im Wasser ein anderer Druck herrscht.

 

Mehr Informationen zum Projekt Hearing in Penguins

 

Antwort von Dr. Nicole Kube, Aquarienkuratorin am Deutschen Meeresmuseum: 

Schildkröten gehören eher zu den stilleren Vertretern und geben wenig Laute von sich, zumindest im Bereich den Menschen hören können.

Meeresschildkröten machen kaum Geräusche, höchstens ein paar schwere Atemgeräusche, wenn sie an Land liegen. Es wird vermutet, dass sie auf ihren Wanderungen durch den Ozean im niedrig-frequenten Bereich kommunizieren. Diese Töne übertragen sich sehr gut und auf langen Strecken im Wasser.

Es gibt neuere Studien, bei dem Nester von Meeresschildkröten untersucht wurden. Dabei wurden vier verschiedene Geräuschtypen aufgenommen, die der Kommunikation der Schlüpflinge untereinander dient und ein gemeinsames Schlüpfen steuert.

Bei kleineren Wasserschildkröten hört man manchmal zischende, fauchende oder gurgelnde Laute, besonders wenn die Tiere sich erschrecken, gestresst sind oder eine Abwehrhaltung einnehmen.

Bei Landschildkröten kommt es vor, dass grunzende Laute bei der Paarung erfolgen. Diese betrifft vor allem die Riesenschildkröten und die Griechischen Landschildkröten.

Antwort von Dr. Petra Nowak, Institut für Biowiwsenschaften an der Universität Rostock

Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst geklärt werden, welche Organismen eigentlich zu den Algen gehören. Eine „ordentliche“ Definition gibt es nicht, da Algen streng genommen ein Sammelbegriff für Lebewesen sind, die Photosynthese betreiben. Gruppen wie Rot-, Grün-, Braun- oder Kieselalgen sehen nicht nur völlig verschieden aus, sie sind nicht einmal näher miteinander verwandt. Die häufig als „Blaualgen“ bezeichneten Cyanobakterien besitzen nicht mal einen Zellkern und gehören zu den prokaryotischen Lebensformen, also den Bakterien.

Unsere Erde ist ungefähr 4,5 Milliarden alt und bereits vor 3,7 (bis 4,2) Milliarden Jahren haben Bakterien (und Archaeen) in den frühen Ozeanen gelebt und sich von Kohlenstoffverbindungen ernährt. Vor 3,1 bis 3,5 Milliarden Jahren haben Cyanobakterien die Photosynthese „erfunden“. Sie sind vollgestopft mit Chlorophyll und können mit Hilfe der Sonnenenergie aus Kohlendioxid und Wasser energiereiche Zucker herstellen. Nebenprodukt der Photosynthese war Sauerstoff, der sich nach und nach im Wasser und später auch in der Atmosphäre anreicherte. Nach dem Motto: Alles eine Frage der Perspektive, war der Sauerstoff für über 90 % der Organismen eine Katastrophe und sie starben aus. Für die Lebewesen, die lernten, den Sauerstoff für sich zu nutzen, war dies der Beginn einer unglaublichen Reise.

Die Evolution nahm ihren Lauf und vor etwa 2,5 Milliarden Jahren ereignete sich ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Lebens. Inzwischen gab es Zellen mit einem echten Zellkern (Eukaryot). Sie ernährten sich, indem sie sich selber über ihre Nahrung stülpten, sie so in sich aufnahmen und dann verdauten. Irgendwann entschied sich einer der Einzeller, sein Cyanobakterium nicht zu verdauen, sondern zu nutzen. Damit entstand ein völlig neuer Organismus, der wie die Cyanobakterien das Sonnenlicht als Energiequelle nutzen konnte. Diese symbiontische Beziehung kann in allen noch heute lebenden Pflanzen nachvollzogen werden und war der Beginn einer neue Ära. Zunächst waren die nun entstandenen Algen einzellig. Nach und nach entwickelte sich aber eine überwältigende Vielfalt an Formen, Farben und Größen. Älteste Fossilien mehrzelliger Rotalgen sind ungefähr 1,6 Milliarden Jahre alt und das älteste Fossil einer mehrzelligen Grünalge wurde auf etwa 1 Milliarde Jahre datiert.

Aus der Linie der Grünalgen entwickelten sich erst vor etwa 475 Millionen Jahren die höheren Pflanzen und unsere heutigen Landpflanzen. Damit verdanken wir den Algen nicht nur die Luft zum atmen, sie veränderten das Ökosystem der Erde dramatisch und ermöglichten alles Leben an Land, einschließlich des Menschen.


„Wie wollen wir mit den Meeren leben?“

Workshop & Abendveranstaltung

Das Ocean Future Lab ist ein Projekt im Rahmen des Wissenschaftsjahr 2022 „Nachgefragt!“. Projektpartner des Deutschen Meeresmuseums sind die Deutsche Allianz Meeresforschung, das Institute of Art and Innovation Berlin sowie das Deutsche Schifffahrtsmuseum Bremerhaven. Gefördert wird das Ocean Future Lab vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. In mehreren Workshops können Bürger*innen gemeinsam mit Künstler*innen und Forscher*innen ihre Ideen und Szenarien für die Zukunft entwickeln und visualisieren. 

Am 31. Mai 2022 fand von 14:00 bis 18:00 Uhr ein Ocean Future Lab Workshop im OZEANEUM statt. Weitere Informationen zu den Workshops finden Sie hier. 

Das kontroverse Thema „Wie wollen wir mit den Meeren leben?“ wurde am selbigen Abend auch bei einer Veranstaltung im OZEANEUM diskutiert.

Bei der Abendveranstaltung aus der Reihe „Wissenschaft kontrovers“ kamen Tänzer*innen des Stralsunder Vereins PerformDance, die Journalistin Ann-Katrin Schröder vom Kunstprojekt TAINTEDoceanLOVE, die Biologin und WWF Fachbereichsleiterin für Meeresschutz Heike Vesper sowie der Direktor des Deutschen Meeresmuseums Burkard Baschek unter den originalgroßen Walen im OZEANEUM Stralsund zusammen. Mehrere Menschen aus dem Publikum beteiligten sich begeistert an der Diskussion.