Das Deutsche Meeresmuseum (DMM) engagiert sich seit vielen Jahren aktiv im internationalen Austausch zur Forschung und zum Schutz von Meeressäugetieren. Im April 2026 nahmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Museums an zwei Fachtreffen teil, bei denen aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert und gemeinsame Strategien für den Schutz mariner Säugetiere und zum Erhalt mariner Biodiversität diskutiert wurden.
Gemeinsam für den Erhalt bedrohter Schweinswalpopulationen
Vom 15. bis 17. April beteiligten sich die Forschenden am 22. Treffen der Delegierten der Anrainerstaaten von Nord- und Ostsee. Im Fokus stand der Schutz des Schweinswals in der Ostsee, im Beltseegebiet und im Kattegat. Das digitale Treffen fand im Rahmen des ASCOBANS-Abkommens statt (Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic, North East Atlantic, Irish and North Seas), einem internationalen Schutzabkommen für Kleinwale und Delfine. Ziel der Zusammenarbeit ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu bündeln, länderübergreifende Schutzmaßnahmen zu entwickeln und den langfristigen Erhalt dieser Tierarten zu sichern. Das DMM brachte sich dabei mit fachlichen Beiträgen aktiv in die Diskussionen der Expertengruppe ein.
„Tracking the invisible“ – DMM präsentiert Forschung in Dundee
Darüber hinaus waren Forschende des Museums auf der diesjährigen Konferenz der European Cetacean Society (ECS) vertreten, die seit 1987 die wissenschaftliche Erforschung und den Schutz von Meeressäugetieren fördert. Die Tagung in Dundee (Schottland) bot ein internationales Forum für aktuelle Studien und methodische Weiterentwicklungen.
Im Rahmen der Konferenz präsentierte Tom Bär seine Forschung zur akustischen Ortung von Schweinswalen unter dem Titel „Tracking the invisible – localising harbour porpoises using multichannel fixed-bottom Soundtrap arrays“. Die vorgestellte Methode nutzt Unterwassermikrofone, um die schwer zu beobachtenden Tiere präziser zu erfassen, ihre Bewegungsmuster aufzulösen und die Gruppengröße von Schweinswalen zu evaluieren.
Innovative Ansätze in der Erforschung des Nahrungsverhaltens
Einen weiteren wissenschaftlichen Beitrag leistete Lisa Klemens mit einem Workshop zu aktuellen Entwicklungen in der Ernährungsforschung bei Meeressäugetieren. Die Ernährungsökologie liefert wichtige Erkenntnisse über Nahrungsnetze, Lebensraumnutzung und den Zustand mariner Ökosysteme. Veränderungen im Nahrungsspektrum können dabei wertvolle Hinweise auf großräumige Umweltveränderungen geben. Im Workshop wurden klassische Methoden wie Mageninhalts- und Kotanalysen mit modernen biochemischen und molekularen Verfahren kombiniert – darunter Stabilisotopenanalyse, Fettsäureprofile und DNA-Metabarcoding. Ergänzend eröffnen Technologien wie Telemetrie, drohnengestützte Photogrammetrie und passive akustische Messungen neue Möglichkeiten zur Erforschung des Nahrungsverhaltens.
Ein zentrales Ziel des Austauschs war es, unterschiedliche Datensätze zusammenzuführen, um räumliche und zeitliche Muster besser zu verstehen. Gleichzeitig wurden Herausforderungen und Forschungslücken identifiziert sowie Perspektiven für zukünftige Studien diskutiert – insbesondere im Hinblick auf den Einfluss von Klimawandel, Fischerei und Lebensraumveränderungen auf Beutetiere und damit auf Meeressäugetiere.
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