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Buckelwal vor der Insel Poel - Statement des Deutschen Meeresmuseums vom 27.04.2026

(Stralsund, 27.04.2026) Das Deutsche Meeresmuseum teilt die emotionale Anteilnahme am Schicksal des Buckelwales vor der Insel Poel. Die wissenschaftliche Institution bekräftigt jedoch ihre Einschätzung, dem Tier die größtmögliche Ruhe zuteilwerden zu lassen, es ausschließlich palliativ zu versorgen und von weiteren Manipulationen am Wal abzusehen.

Die wiederholten Strandungen des Wildtieres weisen auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin. Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert. Die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung sind aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des Tieres und der schlechten Gesamtprognose sehr gering. Eine Bergung ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden. Diese Einschätzung wird von zahlreichen nationalen und internationalen Expert*innen, etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue, geteilt. Ein mehrtägiger Transport geht mit einer enormen Stressbelastung und einem hohen Verletzungsrisiko einher. Insbesondere der Transport in einer Metallbarge wäre aufgrund der hohen Schallreflexion mit einer sehr großen Lärmbelastung innerhalb der Barge verbunden. 

Das Schicksal des Buckelwales und die emotionale Anteilnahme an Walen in der Bevölkerung sollten Anlass sein, um weitreichende Schutzmaßnahmen für Schweinswale und andere Meeressäugetiere in der Nord- und Ostsee vorzunehmen. Der Schweinswal ist die einzige heimische Walart in der Ostsee mit zwei getrennten Populationen. Die Population der zentralen Ostsee umfasst nur noch wenige hundert Individuen und ist akut vom Aussterben bedroht. Auch die Population der Beltsee ist rückläufig und deshalb von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als gefährdet gelistet. Beide Populationen sind von Menschen verursachten Bedrohungen, insbesondere Beifang und Lärm im Meer, betroffen. Trotz des dringenden Handlungsbedarfs wurden bisher jedoch nur begrenzte Schutzmaßnahmen ergriffen.

Sollte der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal sterben, empfiehlt das Deutsche Meeresmuseum außerdem dringend, das Tier wissenschaftlich zu untersuchen, um Erkrankungen und die Todesursache feststellen zu können. Diese Untersuchung muss innerhalb weniger Tage nach dem Tod erfolgen, damit die Zersetzung der Organe durch Autolyse bis dahin nicht zu weit fortgeschritten ist. Das Deutsche Meeresmuseum kann jedoch keinen Gebrauch von der Anfang April 2026 erteilten Genehmigung machen, das Tier wissenschaftlich zu obduzieren. Die Genehmigung wurde zu einem Zeitpunkt erteilt, als das Deutsche Meeresmuseum wissenschaftlich beratend, koordinierend und aktiv begleitend in die Maßnahmen für den Buckelwal involviert war. Durch Duldung der Privatinitiative zur Lebendbergung des Buckelwals, die am 15.04.2026 bekannt gemacht wurde, und der nachfolgenden Manipulationen am Buckelwal ist eine unabhängige, forensische Obduktion des Tieres erforderlich.