Schweinswale (Phocoenidae)

Schweinswal - © Georg Hüttl

Einteilung

Schweinswale (Phocoenidae) zählen zu den Meeressäugetieren, genauer zu den Walartigen (Cetacea). Diese werden in Bartenwale und Zahnwale, zu denen auch der Schweinswal gehört, unterteilt. Früher wurden sie als eine Unterart der nah verwandten Delphine gesehen. Heute weiß man, dass sie aufgrund ihrer Morphologie und Anatomie eine eigene Familie bilden und nur zu den Delphinartigen gehören.

Die verschiedenen Arten

Die Familie der Schweinswale setzt sich aus 3 Gattungen mit insgesamt 8 Arten zusammen. Die Gattung Phocoena wird in 4 Arten unterteilt. Der Kalifornische Schweinswal kommt im Golf von Kalifornien vor. Der Burmeister-Schweinswal lebt vor der Pazifikküste und der südlichen Atlantikküste Südamerikas. Der Brillenschweinwal ist vor der südamerikanischen Atlantikküste und vor Südost-Australien anzutreffen.

Der Gewöhnliche Schweinwal (Phocoena phocoena) wird in 3 Unterarten:

Phocoena phocoena phocoena im Nordatlantik, Phocoena phocoena relicta aus dem Schwarzen und Asowschen Meer und Phocoena phocoena vomerina im Nordpazifik, unterschieden.

Die Gattung Neophocaena spaltet sich in die 3 Arten

Indischer Glattschweinswal, Chinesischer Glattschweinswal und Japanischer Glattschweinswal auf. Die Heimat der Glattschweinswale sind die warmen Küstengewässer des Indo-Pazifiks und nördlichen Pazifiks.

Zu der Gattung Phocoenoides gehört der im Nordpazifik heimische Weißflanken- bzw. Dall-Hafenschweinswal.

Der Gewöhnliche Schweinswal

Im Weiteren wird der Gewöhnliche Schweinswal (Phocoena phocoena) näher beschrieben, die einzige in der Ostsee vorkommende Walart. Die Tiere haben viele Namen, so werden sie neben der gebräuchlichen Bezeichnung „Gewöhnlicher Schweinswal“ bzw. schlicht Schweinswal auch als „Kleiner Tümmler“, „Braunfisch“ oder sogar als „Meerschwein“ betitelt.

Systematik

Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Schweinswale (Phocoenidae)
Gattung: Schweinswale (Phocoena)
Art: Gewöhnlicher Schweinswal (Phocoena phocoena)

 


Schweinswal - © Klaus Rheinwald

Charakteristische Merkmale

Rein äußerlich unterscheiden sich Schweinswale von Delphinen durch ihre kurze Körperlänge, die gedrungene Körperform und ihre verkürzte Schnauze (Rostrum). Sie haben spatel- oder stiftförmige Zähne, im Oberkiefer sind es 42 bis 58 und im Unterkiefer 40 bis 58.

Die Finne des Schweinswals ist dreieckig bis sichelförmig und befindet sich mittig des Rückens. Ihre Flipper sind rundlich und klein, ihre Enden jedoch spitz. Auf ihrem Rücken und den Flippern weisen die Tiere eine dunkelgraue bis schwarze Färbung auf. Die Bauchseite samt Kehle ist heller, häufig fast weiß. Die grauen Flecken an den Flanken und ihrem Oberkörper können variieren. Schweinswale haben auf jeder Körperhälfte einen schwarzen Streifen, der vom Mundwinkel bis zum Ansatz der Flipper reicht.

In ihrem Verhalten unterscheiden sie sich ebenfalls von Delphinen. Sie sind eher scheu und nähern sich nur selten ruhigen, langsam fahrenden Booten. Auch die Luftsprünge, die wir von vielen Delphinarten kennen, vollführen sie äußerst selten.

Größe, Gewicht, Geschlechtsunterschiede und Alter

Schweinswale können eine Länge von bis zu 1,85 m, sehr selten auch 2 m erreichen. Im Durchschnitt werden sie aber nur 1,60 m lang.

Das Gewicht der Schweinswale variiert zwischen 50 und 90 kg. Weibchen werden generell größer und schwerer als ihre männlichen Artgenossen. Um das Geschlecht eines Schweinswals zu bestimmen, muss man sich die Lage der Afteröffnung und der Genitalfalte anschauen. Bei den weiblichen Tieren liegen sie im Afterbereich nah bei einander, wohingegen die Genitalfalte der männlichen Tiere ein deutliches Stück weiter vorn liegt.

Schweinswale haben eine Lebenserwartung von bis zu 22 Jahren. Häufig erreichen sie jedoch nur ein Alter von etwa 15 Jahren.

Verbreitung

Diese Meeressäuger sind nur auf der nördlichen Erdhalbkugel anzutreffen. Sie bevorzugen küstennahe, ruhige Gewässer, wie flache Meere, Fjorde, Sunde, Buchten und Flussmündungen.


Schweinswale - © Georg Hüttl

Nahrung

Schweinswale nehmen täglich etwa 10% ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich.

Die Tiere ernähren sich sowohl von Meeresgrund bewohnenden Fischen, als auch von Schwarmfischen. Dazu gehören die Grundel, der Kleine Sandaal und die Aalmutter, der Hering, die Sprotte, der Kabeljau, der Wittling, die Makrele und der Stöcker. Gelegentlich stehen auch Tintenfische, Krebstiere, Schnecken und Borstenwürmer auf ihrem Speiseplan. Ihre Beutetiere sind im Allgemeinen nicht größer als 30 cm, da Schweinswale ihre Nahrung nicht zerkauen, sondern mit dem Kopf voran als Ganzes verschlingen. Die Zähne dienen dabei ausschließlich zum Ergreifen der Beute.

Feinde

Natürliche Feinde des Schweinswals sind der Schwertwal und Haiarten, wie der Weiße Hai und der Grönlandhai.

In Einzelfällen konnte beobachtet werden, dass auch andere Zahnwale, wie der Gewöhnliche Delphin oder der Große Tümmler Schweinswale attackieren. Dieses Verhalten kann aufgrund der Nahrungskonkurrenz zwischen den Arten entstehen.

Schweinswale können von lästigen Parasiten befallen werden. Häufig werden sie von Ektoparasiten, wie dem Meerneunauge, aber auch von zahlreichen Endoparasiten, wie Fadenwürmern, Saugwürmern, Bandwürmern oder Kratzern geplagt. In seltenen Fällen siedeln sich auf ihnen auch ektoparasitäre Walläuse an.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Männchen werden bereits mit 2 bis 3 Jahren geschlechtsreif, die Weibchen erreichen die Geschlechtsreife dagegen erst in einem Alter von 3 bis 4 Jahren. Von Mitte Juli bis Ende August ist Paarungszeit. Der Paarungsakt beinhaltet vor der eigentlichen Begattung auch ein, so scheint es, nach bestimmten Regeln folgendes Vorspiel. Die Kopulation erfolgt in wenigen Sekunden in denen das Paar senkrecht nahe der Wasseroberfläche in der Wassersäule schwimmt. Dieses Liebesspiel kann sich einige Male wiederholen.

Alle 1 bis 2 Jahre können die Weibchen Nachwuchs bekommen. Wie alle Säugetiere gebären auch Schweinswale lebend. Nach einer Tragzeit von 10 bis 11 Monaten (in Ausnahmen auch 8 Monaten) wird meist ein Kalb geboren. Zwillingsgeburten sind bei Schweinswalen sehr selten. Das Kalb wird mit der Fluke voran geboren, damit es während der Geburt nicht ertrinkt. Danach drückt die Mutter ihr Kalb direkt zum Luftholen an die Wasseroberfläche. Das frischgeborene Kalb wiegt zwischen 5 und 7 kg und erreicht eine Länge von 65 bis 90 cm. Es wird 8 bis 12 Monate gesäugt. Währenddessen kann das Weibchen bereits wieder trächtig werden. Beim Säugen, legt sich das Muttertier auf die Seite, damit das Kalb gleichzeitig noch an der Wasseroberfläche atmen kann. Die Muttermilch besteht zu 50 % aus Fett. Mit ungefähr 5 Monaten wachsen die ersten Zähne und das Kalb beginnt erstmals feste Nahrung zu sich zu nehmen. Mit etwa 7 Monaten ist sein Gebiss voll besetzt. Bevor sich das Jungtier von seiner Mutter entwöhnt, vergeht etwa 1 Jahr.

Verhalten

Schweinswale bewegen sich, wie alle Wale, durch kräftige Auf- und Abwärtsschläge ihrer Fluke. Die Flipper dienen ihnen zur Steuerung und Stabilisierung. Durch den stromlinienförmigen Körperbau und die sehr glatte Haut sind sie optimal an die Fortbewegung im Wasser angepasst.

Schweinswale schwimmen meist allein, oder als Paar. Nur selten trifft man sie in kleinen Schulen von bis zu 7 Tieren an. Ihre durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit liegt bei 7 km/h. In der Spitze können sie jedoch auch für kurze Zeit 22 km/h erreichen. Zum Atmen kommen die Schweinswale 2- bis 4-mal pro Minute für etwa 2 Sekunden an die Wasseroberfläche. Die Tauchtiefe und Tauchlänge der Schweinswale ist vom Verbreitungsgebiet abhängig. In der kanadischen Bay of Fundy konnten Tauchtiefen von 14 bis 41 m mit Tauchlängen von 44 bis 103 Sekunden verzeichnet werden. Hier wurde auch die bisher größte Tauchtiefe und Tauchzeit mit 226 m und 321 Sekunden gemessen. Da dies gleichzeitig die gemessene Wassertiefe war, wird sogar vermutet, dass Schweinswale noch tiefer tauchen können. An den Küsten Nordkaliforniens wurden Schweinswale meistens in Tiefen zwischen 20 und 60 m, selten in Tiefen über 60 m beobachtet.

Schweinswale können sowohl tag-, als auch nachtaktiv sein. Ihre Aktivitätsphasen unterscheiden sich je nach Verbreitungsgebiet.

Schweinswale schlafen nicht wie wir Menschen mehrere Stunden am Stück, sondern legen über den Tag verteilt immer wieder kurze Ruhephasen an der Wasseroberfläche ein. Diese halten nur wenige Sekunden an, in denen die Tiere in einer bestimmten Position in der Wassersäule dümpeln bis sie absinken.


Echoortung

Die Schweinswale haben sich in Anpassung an ihren Lebensraum einen 7. Sinn als Orientierungshilfe erschlossen. Sie verfügen über ein Biosonar. Mit den so genannten „Phonischen Lippen“, einem Stimmlippen ähnlichen Organ, produzieren die Tiere kurze hochfrequente Klicklaute. Diese werden in der Melone, einem Organ aus verschiedenen Fettgewebsschichten, gebündelt und als Schallwellen ins Wasser abgegeben. Diese breiten sich im Wasser mit einer Geschwindigkeit von etwa 1500 m/s aus. Treffen die Schallwellen z.B. auf den Meeresgrund oder ein Beutetier, entsteht ein Echo, welches wieder zurückgeworfen wird und schließlich vom Schweinswal über den sehr dünnen Bereich des Unterkiefers wieder aufgenommen wird. Dort befindet sich ebenfalls ein Fettkanal, der in Schwingung versetzt wird und die gebündelten Wellen an das Innenohr weiterleitet. Hier werden die Klicklaute registriert und die gewonnenen Informationen anschließend vom Gehirn verarbeitet. So können sich Schweinswale in ihrer Umwelt orientieren, mit Artgenossen kommunizieren und Beute fangen.

Die Klicklaute werden in einer Frequenz von etwa 130 kHz ausgestoßen. Dies liegt im ultrahochfrequenten Bereich, weit über der menschlichen Hörschwelle, die bereits bei 20 kHz endet. Die Echoortungsklicks der Schweinswale liegen auch außerhalb des Hörfrequenzbereiches ihres natürlichen Hauptfeindes, dem Schwertwal. Wahrscheinlich hat sich der Gebrauch sehr hochfrequenter Laute zur Echoortung entsprechend der Räuber-Beute-Interaktionen evolutionär entwickelt.

Gefahren für den Schweinswal

Dem Ostseeschweinswal drohen keine natürlichen Fressfeinde wie der Schwertwal. Aus anderen Regionen der Welt ist aber bekannt, dass Schweinswale zum Nahrungsspektrum dieser größten Delfine gehören.

In seinem Lebensraum Ostsee lauern hingegen viele anthropogene Bedrohungen auf den Schweinswal. Der Ostseeschweinswal wird auf der „Roten Liste“ als vom Aussterben bedrohte Tierart geführt. Derzeit liegen noch keine genauen Daten zu Bestandszahlen dieser Population vor. Man nimmt an, dass es in der südwestlichen Ostsee nur noch einen Bestand von wenigen Hundert Tieren gibt.

Bedrohung durch Fischernetze

Viele Schweinswale verenden jedes Jahr als unbeabsichtigter Beifang in den Grundstell- und Schleppnetzen, mit denen heute vorwiegend vor der deutschen Ostseeküste gefischt wird. Besonders Grundschleppnetze hinterlassen eine enorme Verwüstung auf dem Meeresboden und gefährden somit nicht nur die Schweinswale sondern auch bodenlebende Organismen.

In der Ostsee sterben inzwischen wahrscheinlich mehr Schweinswale in den Netzen der Fischer, als Kälber geboren werden.

Die meisten Fischernetze sind heute aus sehr dünnen Nylonfäden gefertigt. Diese können die Schweinswale nicht rechtzeitig orten, da der Schall von den Netzen nicht ausreichend reflektiert wird. (siehe Echoortung) Haben sich die Tiere einmal in den Netzen verfangen, können sie nicht mehr zum Atemholen an die Wasseroberfläche schwimmen und ertrinken. Selbst wenn sie das „Glück“ haben, sich aus den Netzen befreien zu können, erleiden sie meist schwere Verletzungen. Das gilt natürlich nicht nur für die Schweinswale.

Seit einigen Jahren wird nach Möglichkeiten geforscht Schweinswale davon abzuhalten in die Netze zu schwimmen. Zum einen wurden so genannte Pinger entwickelt. Diese Geräte werden an den Netzen angebracht und senden Laute aus, die als Warnung dienen sollen. Die Meere sind inzwischen jedoch voll von unnatürlichen Geräuschen, so dass die „Pingerlaute“ nur ein weiteres Geräusch von vielen sind. Die Tiere gewöhnen sich daran, überhören die Pinger und gelangen trotz einer Vermeidungsmaßnahme in die Netze. Für die Fischer bedeuten die Pinger extra Arbeitsaufwand, da die Geräte gewartet werden müssen. Außerdem müssen die Fischer die Kosten selbst tragen und werden beim Kauf vom Staat nicht unterstützt.

Zum anderen wurden Versuche unternommen Netze mit Bariumsulfat zu versetzen. Bariumsulfat ist ein Salz der Schwefelsäure und wird in der Medizin bei Röntgenuntersuchungen als Kontrastmittel eingesetzt. Dadurch können die Schweinswale die Netze rechtzeitig orten. Diese Versuche haben jedoch ergeben, dass sich das Bariumsulfat nach einer Weile aus den Netzen löst. Das ist auf der einen Seite schädlich für das Ökosystem und auf der anderen Seite werden dadurch die Netze für die Zahnwale wieder „unsichtbar“.

Um diese Tiere stärker in ihrem Lebensraum zu schützen sollte in Zukunft auf selektivere Fischfangmethoden zurückgegriffen werden. Dazu gehören unter anderem verschiedene Reusen oder Ringwadennetzte. Weitere Aufzuchtgebiete der Schweinswale könnten als Schutzgebiete ausgewiesen werden in denen eine zeitliche oder technische Einschränkung der Fischerei vorgeschrieben wäre.

Bedrohung durch die Verschmutzung der Meere

Die Ostsee wird als das am stärksten verschmutzte Meer der Welt angesehen. Bis zu 25% ihres Meeresbodens gelten als biologisch tot, d.h. dieser Bereich ist frei von Sauerstoff. Die Ostsee verfügt über eine sehr träge Wasserzirkulation und ihr gesamtes Wasservolumen wechselt sich nur ca. alle 30 Jahre komplett aus.

Sie wird auch heute noch als Müllhalde von den Anrainerstaaten missbraucht. So wird das größte Brackwassermeer der Erde z.B. durch Pestizideinträge aus der Landwirtschaft, Industrieabwässer, Müll und Öl-Havarien verschmutzt. Vor allen über die großen Flüsse gelangen jährlich große Mengen Phosphor, Stickstoff und Schwermetalle in die Ostsee. Die Kontrollen wurden über die Jahre verschärft, aber das Binnenmeer erholt sich nur langsam wieder. Die bereits eingeleiteten Umweltgifte können nicht wieder aus dem Wasser herausgefiltert werden.

Viele dieser Umweltgifte gelangen über die Nahrung in den Organismus des Schweinswals und reichern sich an, da der Schweinswal in der Ostsee am Ende der Nahrungskette steht. Nach einiger Zeit kann dies z.B. zu Unfruchtbarkeit und Mutationsbildung führen. Auch das Plastik, das die Beutefische des Schweinswals fälschlicherweise für Plankton halten und verschlucken, lagert sich über einen gewissen Zeitraum ab, da es nicht abgebaut werden kann muss der Schweinswal am Ende mit vollem Magen verhungern.

Bedrohung durch Lärmbelästigung

Der zunehmende Lärm des Schiffsverkehrs löst Stress bei den sich akustisch orientierenden Tieren aus. Die Kommunikation der Schweinswale ist eingeschränkt und sie verlieren die Orientierung. In den meisten Fällen endet dies tödlich. Auch gibt es immer weniger Rückzugsgebiete, in denen die Schweinswale Ruhephasen einlegen und ihre Kälber aufziehen können.

Die Rammarbeiten der Stützpfeiler einer neuen Windkraftanlage erzeugen einen Geräuschpegel, der den Hörtoleranzbereich des Schweinswals weit überschreitet. Das kann den zeitweiligen oder vollkommenen Hörverlust für die Meeressäugetiere bedeuten und ebenfalls zu Orientierungslosigkeit führen.

Es existieren bereits Verfahren, wie man diesen sehr hohen Lärmpegel bei Baumaßnahmen eindämmen kann, doch diese sind bisher nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ein Verfahren wäre z.B. die Verwendung von so genannten Blasenschleiern, die in einem Kreis um die Stützpfeiler gezogen werden und als „Schallmauern“ dienen. Mit einem Kompressor wird Luft durch einen perforierten Schlauch geleitet. Beim Entweichen dieser Luft ins Wasser steigen Luftblasen auf und die Schallwellen, die beim Rammen der Stützpfeiler in den Meeresgrund entstehen, werden an ihnen gebrochen. So wird der Geräuschpegel erheblich gesenkt. Dabei ist es wichtig, dass immer ein durchgehender Schleier aus Luftblasen entsteht.

Seesprengungen, welche z. B. zum Entschärfen von Minen durchgeführt werden, lösen eine besonders starke Druckwelle aus. Diese kann je nach Entfernung entweder direkt zum Tod der Schweinswale führen, wenn zu starke Risse in den Geweben entstehen oder es kann zur kurzfristigen Beeinträchtigung der Hörfähigkeit kommen.

„Airguns“ sind eine weitere tödliche Gefahr für die Schweinswale. Es sind Unterwasserschallkanonen, die bei seismographischen Untersuchungen des Meeresbodens zur Lokalisation von Öl- und Gasvorkommen eingesetzt werden. Der hierzu verwendete Schall nennt sich LFAS (Low Frequency Active Sonar). Dieser wird seit 1981 von der amerikanischen Navy entwickelt mit einem Frequenzbereich von 100 und 500 Hz. Bei dem Gebrauch von LFAS kann ein Schalldruck von bis zu 260 dB entstehen. Ein Düsenjet, der in 30 Meter Entfernung startet, produziert hingegen nur einen Schalldruck von 140 dB. Der Einsatz von LFAS führte in der Vergangenheit schon mehrmals zu Walstrandungen. Auf Grund pathologischer Untersuchungen von gestrandeten Walen aus einem Gebiet in dem LFAS angewendet wurde, konnten Verletzungen an der Lunge sowie Blutungen im Innenohr und im Hirnbereich nachgewiesen werden.

Es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren Gefahren für die Schweinswale, wie Rammarbeiten zur Öl- und Gasförderung und Kies- und Sandabbau.

Walfang

Es existieren Aufzeichnungen über den kommerziellen Schweinswalfang, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Auf der Insel Fünen in Dänemark gab es seit 1500 sogar eine eigene Zunft der „Meerschweinjäger“. Während des 19. Jahrhunderts wurden in der Ostsee jährlich um die 1000 Schweinwale gefangen. Gegen Ende dieses Jahrhunderts stieg die Anzahl auf bis zu 2000 Tiere pro Jahr. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichten die Schweinswalfangquoten ihren Höhepunkt. Der Schweinswalbestand wurde durch die lange extensive Jagt stark dezimiert. Seit dem 1. Juli 1975 stehen Schweinswale weltweit mit dem Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens unter Schutz.

Heute ist die Jagd auf Schweinswale in allen europäischen Ländern gesetzlich verboten.