Monitoring

Seit 2008 existiert am Deutschen Meeresmuseum das Schweinswalmonitoring. Ein Monitoring ist definiert als regelmäßiges Überwachen und Messen des Zustandes einer Art oder Lebensraumes. 

Der Schweinswal sendet zur Orientierung, Navigation, Kommunikation und zum Beutefang sehr kurze hochfrequente Schallimpulse, so genannte Klicklaute, in Schwimmrichtung aus. Stoßen diese Schallwellen auf ein Objekt kommen sie als Echo zurück. Schweinswale nutzen ihr Biosonar fast ununterbrochen. Deshalb ist ein akustisches Monitoring mit automatischen Geräten zur Erfassung der Echoortungslaute dieser mobilen Tiere sehr effizient. So genannte Klickdetektoren nehmen die Schalllaute der Schweinswale auf.  

Das Monitoringprojekt erfasst an 10 Messstationen in der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone, den in der Ostsee heimischen Schweinswal. Anhand der gewonnenen Daten werden die Verteilung und die jahreszeitlichen Schwankungen der Gebietsnutzung und das Verhalten dieser Kleinwale dokumentiert. Nur durch ein langfristig angelegtes Monitoring sind Bestandstrends zu ermitteln.

Die Messstationen des Monitoringprojekts - © Grafik: Deutsches Meeresmuseum

Aktuell betreiben wir im Rahmen des Monitoringprojektes 10 Stationen in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee.

Bild: Grafik: Deutsches Meeresmuseum

Hintergrund

Nur eine kleine Teilpopulation des Schweinswals (Phocoenaphocoena) lebt in der Ostsee und die Zahl der Tiere hat in den letzten Jahrzehnten drastisch abgenommen. Sie wird in der IUCN Roten Liste als vom Aussterben bedroht eingestuft. Damit ist ein unmittelbarer Handlungsbedarf für diese laut Fauna-Flora-Habitat (FFH-) Richtlinie geschützten Tiere gegeben. Den Schweinswalen drohen viele Gefahren: unbeabsichtigte Beifänge in Stellnetzen, chemische und akustische Belastungen, zunehmen-der Schiffsverkehr und Überfischung.

Ein effektiver Schutz ist auf Grund des Mangels an Wissen über die Zahl der Tiere und ihre bevorzugten Lebensräume schwer zu erreichen. Deshalb gibt es dringenden Handlungsbedarf, mehr Daten über die Größe und das Verbreitungsgebiet der Population sowie ihre Veränderungen im Laufe der Zeit zu sammeln. Das Deutsche Meeresmuseum erhebt seit fast 10 Jahren in verschiedenen Projekten Daten und Informationen über den Ostsee-Schweinswal. Bei der Auswertung von akustischen Schweinswaldaten hat das Deutsche Meeresmuseum durch seine langjährige Erfahrung neue Maßstäbe gesetzt und zur Weiterentwicklung der Messgeräte beigetragen.

Verankerung

Die Messstationen befinden sich meist in der Nähe eines Seezeichens oder werden durch ein vom Wasser- und Schifffahrtsamt gemietetes Seezeichen gesichert, da sie zu großen Teilen in Seegebieten mit hohem Schiffsverkehr liegen.
Diese werden mit einem 600 kg Betongewicht beschwert. In ca. 80 m Entfernung befinden sich ein weiteres Gewicht und ein Anker, in deren Nähe das Messgerät 5-7 Meter unter der Wasseroberfläche schwimmt. Diese Position wird durch 2 kleinere Bojen und eine 3,5 m hohe Fähnchenboje, an der 2 Fahnen und ein Radarreflektor befestigt sind, markiert.
Alle zwei Monate müssen die Stationen überprüft werden. Bei dieser Wartung werden die Messgeräte ausgetauscht und das Verankerungssystem kontrolliert. Anschließend werden die Daten ausgelesen und ausgewertet.

Auswertung

Schweinswale nutzen die untersuchten Gebiete sehr unterschiedlich. Während an den westlichen Stationen fast täglich Schweinswale registriert werden, verzeichnet man östlich von Rügen nur selten Tiere. Außerdem werden mehr Schweinswale im Sommer und Herbst registriert als im Winter. Anhand von akustischen Daten können auch Aussagen zum Verhalten der Schweinswale getroffen werden. Die Meeressäugetiere senden Lautsequenzen aus, die z.B. typisch für Beutefang oder Wanderungsverhalten sind.

 

Projektbeschreibung Cluster 3 „Monitoring und Bewertung von marinen Wirbeltieren“

Aufgrund verschiedener internationaler Konventionen (insb. OSPAR- Übereinkommen zum Schutz des Nordost-Atlantiks und Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Ostsee) und EU-Richtlinien (Vogelschutzrichtlinie, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie) ist die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, regelmäßig den Zustand der Populationen bestimmter mariner Wirbeltiere (Seevögel, Meeressäugetiere, Fische) innerhalb ihres Hoheitsgebietes zu erfassen und zu bewerten. Eine wichtige Grundlage für diese Bewertung bildet das langfristig angelegte Monitoring mariner Wirbeltiere in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 12-200 Seemeilenzone), das vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel, dem Deutschen Meeresmuseum, dem Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft der Universität Hamburg sowie dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover gemeinsam im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz durchgeführt wird. Die Koordinierung übernimmt dabei das Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in enger Absprache mit dem Bundesamt für Naturschutz. Das Projekt baut auf früheren Erfassungsprogrammen für Meeressäugetiere und Seevögel auf und ergänzt diese entsprechend den aktuellen europäischen und internationalen Berichtsanforderungen. Zusätzlich dienen die gewonnenen Daten dem Bundesamt für Naturschutz als Grundlage für wissenschaftlich fundierte Managemententscheidungen für die Schutzgebiete in der deutschen AWZ.

Da marine Wirbeltiere in den marinen Nahrungsnetzen meist hohe Trophiestufen einnehmen und gleichzeitig vielen verschiedenen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, sind sie als Indikatoren für den allgemeinen Zustand der Meeresumwelt vielfach gut geeignet. Um die Bestandsgrößen und die räumlich-zeitliche Verteilung von Walen und Seevögeln zu erfassen, werden regelmäßige schiffs- und flugzeuggestützte Zählungen entlang vorher festgelegter Routen, so genannter Transekte, vorgenommen. Darüber hinaus werden in der Ostsee die Ortungslaute von Schweinswalen durch ein Netzwerk speziell dafür entwickelter Messgeräte erfasst. Durch statistische Verfahren, deren Weiterentwicklung derzeit aktiv vorangetrieben wird, lässt sich aus diesen Daten die räumlich-zeitliche Verteilung der erfassten Arten ableiten. Zur Bewertung der projektrelevanten Fisch- und Neunaugenarten werden die vorhandenen Datenbestände der Fischereiforschung ausgewertet. Vergleicht man die so gewonnenen Erkenntnisse mit denen früherer Jahre, können Bestandstrends ermittelt und sowohl positive wie auch negative Entwicklungen identifiziert werden. Auf dieser Basis können nationale und internationale Naturschutz- und Managementmaßnahmen wissenschaftlich begründet, geplant und umgesetzt werden.

Partner

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Forschung und Technologie Zentrum Westküste (FTZ)
Prof. Dr. Stefan Garthe (Koordination)
Hafentörn 1
25761 Büsum - Germany
Tel.: +49 4834 604 116
E-Mail: garthe@ftz-west.uni-kiel.de

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Christian-Albrechts-Universitity Kiel (CAU)
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Christian-Albrechts-Platz 4
24118 Kiel - Germany
Tel.: +49 431 880 7395
E-Mail: dekanat@mnf.uni-kiel.de

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Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)
Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung
Prof. Dr. Ursula Siebert
Werftstr. 6
25761 Büsum - Germany
Tel.: +49 4834 604 113
E-Mail: ursula.siebert@tiho-hannover.de

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University Hamburg
Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft (IHF)
Prof. Dr. Christian Möllmann
Prof. Dr. Axel Temming
Grosse Elbstrasse 133
22767 Hamburg - Germany
Tel.: +49 40 428 386 621      
Tel.: +49 40 428 386 622
E-Mail: christian.moellmann@uni-hamburg.de
E-Mail: atemming@uni-hamburg.de