Sowerby Zweizahnwal in der Wohlenberger Wiek

Freitag, 26.02.2016

Am Schwedischen Museum für Naturkunde in Stockholm wurde Anfang der Woche die erweiterte Sektion des Sowerby Zweizahnwales, der im September und Oktober 2015 in der Wohlenberger Wiek beobachtet werden konnte, durchgeführt. Wissenschaftler, Kuratoren und Techniker des größten naturkundlichen Museums Schwedens, der Universität Köln und des Deutschen Meeresmuseums arbeiteten zusammen an der Beschreibung der Anatomie dieser seltenen Wale.

Besonderer Fokus lag auf den Mechanismen der Lauterzeugung: der Stimmapparat, der hochfrequente Echoortungslaute unter hohen Umgebungsdrücken erzeugen kann, und die Melone, die zur Fokussierung und Bündelung der Laute dient. Weiterhin wurde der Hörapparat untersucht, der die Echos und andere Schallsignale über den Unterkiefer aufnimmt und über sogenanntes, akustisches Fett zum Innenohr leitet. Sowohl die Schallerzeugung als auch das Hören sind bei allen Zahnwalen hochentwickelt und spezialisiert. Während Delfine Echoortungsclicks zum Auffinden von Beute und tonale Geräusche, wie z. B. Pfiffe, für soziale Kommunikation nutzen, senden andere Zahnwale, wie z. B. Schweinswale, nur Clicks aus, die – so wird vermutet – für Kommunikation, Beutefang und Navigation genutzt werden.

Dr. Stefan Huggenberger, Brigitte Dengler und Dr. Michael Dähne bedanken sich für die intensive Zusammenarbeit mit Dr. Daniela Kalthoff und Dr. Thomas Lyrholm. Das Wal-Skelett verbleibt in Stockholm und wird vorerst in die umfangreiche Sammlung des Schwedischen Museums für Naturkunde aufgenommen werden.




Donnerstag, 29.10.2015

Der Schnabelwal wurde am Wochenende von Helfern nach Uppsala verbracht. Dort wurde der Wal am Dienstag von Mitarbeitern des nationalhistorischen Museums Stockholm unter der Leitung von Thomas Lyrholm und Aleksija Neimane vom schwedischen Staatlichen Veterinäramt während einer ausführlichen Sektion untersucht. Der Schädel des Tieres wurde für weitergehende Untersuchungen eingefroren und soll unter Beteiligung der Universität Köln, der Universität Aarhus (Dänemark) und dem Deutschen Meeresmuseum weiter untersucht werden. Hierzu gehören ein ausführlicher CT-Scan und eine anschließende detaillierte Sektion. Die Tierärzte vor Ort bestätigen unsere Erkenntnisse, dass es sich um ein junges Weibchen handelt. Weiterhin wurden Proben für genetische und ökotoxikologische Analysen entnommen. Das Skelett wird nun präpariert und am Naturhistorischen Reichsmuseum Stockholm aufbewahrt werden.

Die bisher veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass das 3,42 m lange Tier verhungert ist. Es wurden weder Fisch- noch Tintenfischreste im Magen gefunden. Das Tier selbst war bereits stark abgemagert. Außerdem wurden Verletzungen im Magen dokumentiert, die durch Stress hervorgerufen werden können und bei vielen verhungerten Tieren beobachtet worden sind.

Eine eindeutige Identifikation des Tieres konnte durch die Neunaugenbisse der rechten Körperhälfte vorgenommen werden. Das nun obduzierte Tier ist das gleiche, dass auch für 2 ½ Wochen in der Wohlenberger Wiek beobachtet werden konnte.

Dies ist die vorläufig letzte Eintragung in unserem Newsblog.




Montag, 26.10.2015

Etwa eine Woche schien niemand etwas über den Schnabelwal gesehen oder gehört zu haben. Erst die Meldung vor ein paar Tagen, dass ein Wal an der dänischen Insel Lolland gestrandet sei, ließ erahnen wo sich der Schnabelwal aus der Wohlenberger Wiek aufhalten könnte. Genauere Informationen wann und wo, was für ein Wal gestrandet sei, ob lebend oder tot konnten nicht in Erfahrung gebracht werden.

Am Freitagmittag, den 23.10.2015, erfuhren wir von unserem dänischen Kollegen, dass am Vormittag ein Schnabelwal an der schwedischen Küste von Belkinge angespült worden ist. Detailfotos zur genaueren Identifikation stehen noch aus, doch erste Fotos und auch die Größe des Tieres bekräftigen die Vermutung, dass es sich dabei um den Sowerby Zweizahnwal aus der Wohlenberger Wiek handelt. Der Wal soll nun nach Uppsala gebracht und dort seziert werden. Bei der Sektion wollen die Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseum unterstützen und hoffen einige offene Fragen klären zu können.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns so tatkräftig durch die Meldung ihrer Sichtung oder der Suche nach dem Wal unterstützt haben. Unser Dank gilt v.a. dem Kapitän der MS Seebär als auch der Wasserschutzpolizei und der Bundespolizei See. Nur durch die hervorragende Zusammenarbeit und das gute (inter-)nationale Netzwerk konnte der Verbleib des Wales schließlich ausfindig gemacht werden.

 




Donnerstag, 15.10.2015

Es wurden uns weitere Sichtungen sowohl aus der Wohlenberger Wiek als auch vor Wustrow gemeldet, so dass der Schnabelwal sich wahrscheinlich großräumig im Gebiet aufhält. Die letzten uns vorliegenden Beobachtungen stammen vom Sonnabend und Sonntag nahe der Insel Poel. Um wieder den Nordatlantik und tiefere Meeresbereiche mit ausreichender Nahrung zu finden, muss die junge Walkuh ihren Weg durch die enge Beltsee und den Kattegat in Richtung Skagerrak finden.

Bitte berichten Sie weiterhin Sichtungen an das Deutsche Meeresmuseum unter 0176 2232 5605 und über das Online-Formular oder unsere Android und i-Phone App "OstSeeTiere".

Der Schnabelwal kann durch markante Kratzer identifiziert werden, so dass besonders gute Detailfotos für uns von großem Wert sind. Auch trägt es Narben eines Bisses durch Neunaugen.

 




Dienstag, 13.10.2015

Die letzte uns gemeldete Sichtung vom Schnabelwal ist bereits von Sonntag. Urlauber berichten, dass der Wal am Wochenende sogar bis in die Wismarer Bucht geschwommen ist. Sollte er es bis hier hin geschafft haben, könnte der Schnabelwal auch den Weg nach draußen in die Ostsee finden. Warum er sich stattdessen vorzugweise in dem südlichen Bereich der Wohlenberger Wiek aufhält, ist weiterhin unklar.

Wir möchten nochmals alle Strandgänger, Wassersportler oder Kapitäne dazu aufrufen, sich bei uns zu melden sobald der Wal gesichtet wurde.




Freitag, 09.10.2015

Heute sind die Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums wieder vor Ort. Mit dem Boot „Ozeaneum“ wollen sie erneut Fotoaufnahmen vom Zahnwal machen, um den aktuellen Gesundheitszustand des Tieres beurteilen zu können. Nebenbei sollen Lautaufnahmen stattfinden.

Ein Interview über den Schnabelwal in der Wohlenberger Wiek gab der Kurator für Meeressäugetiere am Dienstagabend für NDR // Aktuell. Der Beitrag ist in der Mediathek zu sehen (ab ca. 11:22 min) unter http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_aktuell/NDRAktuell,sendung427026.html




Donnerstag, 08.10.2015

Gestern Nachmittag hat der Kapitän der MS Seebär für uns eine Extrarunde in der Wohlenberger Wiek gedreht. Der Schnabelwal hielt sich wieder an altbekannter Stelle, dem „Kartoffelanleger“ auf und hat es bisher nicht aus der Wohlenberger Wiek geschafft.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bisherigen Sichtungsmeldern bedanken, insbesondere bei den Crews der Wasserschutzpolizei und der Fischereiaufsicht sowie Herrn Marko Weiße vom MS Seebär für die großartige Unterstützung. Wir sind auf zeitnahe Meldungen von aktuellen Sichtungen angewiesen, um zukünftige Aktionen planen zu können.




Mittwoch, 07.10.2015

Der Kapitän des MS Seebär Marko Weiße hat den Schnabelwal bei seiner gestrigen Ausflugsfahrt um 13:35 Uhr im Fahrwasser westlich von Poel gesichtet. Fünf Minuten später war der Schnabelwal außer Sichtweite. Seitdem liegen uns keine weiteren Sichtungsmeldungen vor, so dass wir nur hoffen können, dass der Wal den Weg aus der Wohlenberger Wiek geschafft hat.




Dienstag, 06.10.2015

Der Wal reagiert auf Bootsmotoren und scheint neu hinzugekommene Boote intensiv zu begutachten. Wir bitten deshalb darum, im Umfeld des Wales sowohl Motor als auch Tiefenmesser zu deaktivieren. Die besten Beobachtungsplätze befinden sich nach wie vor am Strand und auf dem Kai „Kartoffelanleger“ – ohne den Wal in seinem Element zu stören. Etwas Zeit muss man ggf. dafür einplanen, wird aber durch ein einmaliges Naturschauspiel belohnt.




Montag, 05.10.2015

Weitere Auswertungen von Walfotografien haben sowohl das weibliche Geschlecht, als auch den guten Gesundheitszustand des Tieres bestätigen können. Es sind derzeit keine übereilten Rettungsaktionen notwendig.




Sonntag, 04.10.2015

Dem Wal geht es weiterhin gut. Sein Verhalten hat sich über die letzte Woche nicht geändert. Etwa alle 10 bis 15 Minuten kommt das Tier mindestens für einige Atemzüge an die Oberfläche. Vor allem bei Störungen durch Boote, springt der Schnabelwal mehrfach in Folge aus dem Wasser. Gelegentlich jagt das Tier direkt am „Kartoffelanleger“. Hierbei schaut es immer wieder über die Wasseroberfläche und vollführt gelegentlich kleine Sprünge.

 




Samstag, 03.10.2015

Die Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseum bekamen Unterstützung von einer Veterinärin und Greenpeace-Aktivisten. Die Veterinärin konnte den Schnabelwal in Augenschein nehmen und bescheinigt ihm eine gute Gesundheit. Diese Erkenntnis stimmt optimistisch und zeigt, dass sich der Wal auch in der Wohlenberger Wiek länger aufhalten und überdauern kann, vorausgesetzt, dass er nicht zusätzlichen Stressfaktoren ausgesetzt wird. Die Bemühungen, dem Wal einen Weg aus der Bucht zu zeigen, können somit intensiv getestet werden bevor sie zum Einsatz kommen.

Die Greenpeace-Mitstreiter unterstützten die Museumsmitarbeiter bei dem Versuch weitere Lautaufnahmen des Zweizahnwales zu erhalten. Zeitgleich wurden auf dem „Ozeaneum“-Boot die zuvor aufgenommenen Laute des Wals abgespielt und Fütterungsversuche mit Tintenfischen unternommen. Doch der Schnabelwal zeigt weder Reaktionen auf die abgespielten Laute noch auf die Beutefische.

Parallel zu den Bemühungen auf See, waren mehrere Museumsmitarbeiter am Strand der Wohlenberger Wieck unterwegs, um den zahlreichen Zuschauern und Strandgängern Auskunft zum Zweizahnwal zu geben. Auch die Wasserschutzpolizei nimmt ihre Aufgaben im Bereich des Umweltschutzes wahr und spricht an zu aufdringlichen Bootsführern Platzverweise aus. Das Meeresmuseum steht mit den Behörden in ständigem Kontakt, um alle weiteren Maßnahmen abzustimmen.

 




Mittwoch, 30.09.2015

Drei Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseum versuchen von Bord des Bootes „Ozeaneum“ Lautaufnahmen des Zweizahnwales in der Wohlenberger Wiek zu erhalten. Das Tier hält sich mehrmals nahe dem Boot auf, aber jeweils nur für einen kurzen Moment, so dass keine umfangreichen Lautaufnahmen erzielt werden können.

 




Montag, 28.09.2015

Wissenschaftler des Meeresmuseums fahren erstmals mit dem Boot „Ozeaneum“ in die Wohlenberger Wiek. Das Boot ankert in der Nähe des „Kartoffelstegs“. Der Schnabelwal hält sich hier über einen langen Zeitraum in einem Umkreis von 200 bis 300 Meter auf, so dass eine genaue Artbestimmung möglich wird. Der Verdacht, dass es sich um einen Sowerby Zweizahnwal handelt, wird bestätigt. Die Beobachtungen vor Ort sowie die anschließende Auswertung des Bildmaterials lassen vermuten, dass es sich um ein subadultes Weibchen handelt. Während der Ausfahrt wurde zusätzlich die umgebende Wassersäule mit sensiblen Unterwassermikrofonen, sogenannten Hydrophonen, abgehört.

Erste Ideen zur Rettung des Schnabelwals aus der Wohlenberger Wiek entstehen, die bei einer nächsten Ausfahrt getestet werden sollen. So könnte z.B. der Wal mit seinen eigenen Lauten, die zuvor aufgenommen wurden, gelockt werden. Denkbar ist auch ein Futterlockmittel, z.B. in Form von Tintenfischen.

 




Sonntag, 27.09.2015

Der Schnabelwal hält sich weiterhin in Ufernähe der Wohlenberger Wiek auf. Der Kurator für Meeressäugetiere nimmt den Wal erstmals in Augenschein. Die genaue Artbestimmung sowie die Einschätzung über das Wohlergehen des Tieres gestalten sich von Land aus schwierig. Nach Gesprächen, ersten Fotos und einer Größenschätzung des Tieres erhärtet sich der Verdacht, dass es sich um einen Sowerby Zweizahnwal handelt.

 

 




Samstag, 26.09.2015

Am Nachmittag gegen 15 Uhr melden Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei dem Kurator für Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum, dass das Tier nun mehrfach in der Wohlenberger Wiek gesehen wurde. Um die Situation vor Ort zu prüfen, fährt dieser umgehend zum Sichtungsort und erhält von zahlreichen Besuchern genauere Kenntnisse zum Wal. Es zeigt sich, dass es dem Tier anscheinend gut geht, denn es wird mehrfach beim Springen und nahe am Kai „Kartoffelanleger“ beobachtet. Der Kurator nimmt Kontakt mit Personen vor Ort auf, so dass auch auf längere Sicht Sichtungsmeldungen und Veränderungen der Situation am Meeresmuseum registriert werden.

 

 




Freitag, 25.09.2015

In der Wohlenberger Wiek wird die Strandung eines etwa 4 m langen Wals gemeldet. Angler vor Ort schieben den Wal aus dem seichten Wasser. Das Tier scheint unverletzt und schwimmt zurück ins tiefere Wasser.

Aufgrund des Belegfotos von der Rettungsaktion können die Wissenschaftler erkennen, dass es sich bei dem gestrandeten Tier um einen Schnabelwal, eventuell einem Entenwal, handelt.