Die Stiftung Deutsches Meeresmuseum Stralsund

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(Stand: April 2016)

Im Jahr 1951 bezog eine kleine Sammlung als städtisches Naturkundemuseum das ehemalige Katharinenkloster in Stralsund, das bis dato als Gymnasium genutzt wurde. Das Haus entwickelte sich zu dem international anerkannten Museum für Meereskunde und Fischerei der DDR. Mit der Wanderausstellung „Meer und Museum“ im Jahre 1981 konnte das meistbesuchte Museum Ostdeutschlands auch im damaligen Westdeutschland sowie in Dänemark auf sich aufmerksam machen. Nach der Wende wurde das Haus 1994 in eine Stiftung überführt und 1998 umbenannt in Deutsches Meeresmuseum. Damals wie heute ist das Zusammenspiel aus wissenschaftlicher Ausstellung und Aquarien als lebende Ergänzung der wesentliche Erfolgsfaktor des Museums. Das Deutsche Meeresmuseum zählt mit dem Eintrag in das sogenannte Blaubuch zu den kulturellen Leuchttürmen in den neuen Bundesländern. Weltweit widmen sich nur wenige Museen so speziell und umfassend der wissenschaftlichen Bearbeitung und musealen Darstellung des Lebensraumes Meer.

Neben dem Stammhaus MEERESMUSEUM in der Stralsunder Altstadt entwickelte Deutschlands einziges Museum für Meereskunde und Fischerei in den 1990er Jahren zwei weitere Standorte. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft am Darßer Ort informiert das NATUREUM seit 1991 über Landschaft und Tierwelt des Darß. 1999 öffnete auf der Insel Dänholm das NAUTINEUM als Ausstellungszentrum für Fischerei, Meeresforschung, Hydrografie und Seewasserstraßen. Inzwischen dient es ausschließlich als Sammlungsstandort und ist ausgestattet mit einem Sektionsraum für wissenschaftliche Untersuchungen von Meerestieren. Ein besonderer Meilenstein für den Standort MEERESMUSEUM war im Januar 2004 die Neueröffnung des 350 000 Liter fassenden Schildkrötenaquariums.

Im Sommer 2008 eröffnete ein weiterer Standort seine Türen. Das moderne OZEANEUM auf der Stralsunder Hafeninsel zeigt fünf Dauerausstellungen, u. a. zur Ostsee, dem Weltmeer und den Riesen der Meere. In zwei umfangreichen Aquarienrundgängen kann die Unterwasserwelt der nördlichen Meere erlebt werden.

Durch die bewusste thematische Trennung der Aquarien in MEERESMUSEUM (Tropen/Warmwasser) und OZEANEUM (Kaltwasser) zogen die Tiere des damaligen Nordseeaquariums ins OZEANEUM und machten Platz für eine neue Mittelmeerabteilung, die im Juli 2009 im MEERESMUSEUM fertig gestellt wurde. Im selben Jahr erreichte das Deutsche Meeresmuseum mit insgesamt über 1,2 Millionen Gästen Platz drei der besucherstärksten Museen in Deutschland.

In 2010 wurde dem OZEANEUM eine besondere Ehre zuteil, als es die Auszeichnung „Europas Museums des Jahres 2010“ in Empfang nehmen durfte.

Neben den Ausstellungen und Aquarien an den einzelnen Standorten spielen die weiteren, zentralen Aufgaben eines Museums, das Sammeln, Bewahren und Forschen, eine ebenso wichtige Rolle. Die Kuratoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter arbeiten kontinuierlich an aktuellen Forschungsprojekten, den Sammlungen und der Konservierung von Objekten. So erzählt die Skelettsammlung von heimischen Kleinwalen und Irrgästen in der Ostsee und Tausende konservierte Fische, Krebse, Vögel, Muscheln u. a. sind wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Bearbeitung. Aus überschaubaren Anfängen in den 1950er Jahren hat sich bis heute ein Bestand von über 46 000 Sammlungseinheiten vor und hinter den Kulissen entwickelt.

Bis 1989 wurden wesentliche Teile der Sammlung durch Besatzungsmitglieder der Fischerei- und Handelsflotte der DDR zusammengetragen. Allein zwei Sammelreisen 1976 und 1979 an das Rote Meer ergänzten den Bestand um über 6 000 Sammelproben und ermöglichten die heute einzigartige Dokumentation eines tropischen Korallenriffpfeilers im MEERESMUSEUM. Zuletzt führten wissenschaftliche Expeditionen in das Mittelmeer zur Insel Elba, nach Taiwan, Sudan oder zu den Tiefseekorallen vor die norwegische Küste.

Seit 1980 registriert das Deutsche Meeresmuseum Totfunde von Meeressäugetieren, insbesondere Kegelrobben und Schweinswalen, an der Deutschen Ostseeküste. Wissenschaftler werten die Funddaten aus und erfahren so mehr über die genaue Verbreitung der Meeressäuger. Neben Totfunden registriert das Deutsche Meeresmuseum von Wassersportlern gemeldete Meeressäuger-Sichtungen in der Ostsee. Dafür schufen die Mitarbeiter im Jahr 2015 eine eigene App. Federführend sind sie bei der Entwicklung und im Einsatz von akustischen Messgeräten zur Erfassung von Schweinswalen in der Ostsee. Mit diesen verschiedenen Methoden erarbeitet das Deutsche Meeresmuseum grundlegende Daten für den Schutz dieser Meeressäugetiere in der Ostsee.

Mit der Präparation von Tieren, auch von großen Arten wie Eisbär oder Pottwal, hat das Deutsche Meeresmuseum sich längst einen Namen gemacht. Langjährige Erfahrung und der Anspruch an fachlich einwandfreie Exponate sind die Grundlage für einzigartige Ausstellungsobjekte, wie zum Beispiel die Wal-Skelette im Foyer des OZEANEUMs aus der hauseigenen Präparationswerkstatt.

Wissenschaftlich fundierte Öffentlichkeitsarbeit ist die zentrale Aufgabe des Deutschen Meeresmuseums und erfolgt über die Ausstellungen und Aquarien hinaus über Podiumsgespräche, Kooperationen und zahlreiche Veranstaltungen für Familien mit Kindern, Schulklassen und Erwachsene. Das Deutsche Meeresmuseum ist in zahlreichen Gremien aktiv und u. a. Mitglied im Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM), in der Europäischen Walforschervereinigung (ECS), im Europäischen Verband der Aquarienkuratoren (EUAC), im Deutschen Museumsbund und im Internationalen Museumsrat (ICOM).

Die Stiftung Deutsches Meeresmuseum wird zu rund 60% aus Eigenmitteln finanziert und darüber hinaus von der Hansestadt Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern und der Bundesregierung gefördert. Sie ist alleinige Gesellschafterin der OZEANEUM Stralsund GmbH, die wirtschaftlich vom Stammhaus getrennt ist und sich zu 100% selbst trägt. Die Hansestadt Stralsund und der 1991 gegründete Förderverein Deutsches Meeresmuseum e.V. sind die beiden Stifter des Deutschen Meeresmuseums – Norddeutschlands meistbesuchtem Museum.

Text: Deutsches Meeresmuseum

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